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  • Foto: Anna Helm

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Juni 2017 | Text: Chiara Porada

Da braut sich was zusammen

Die Hensen Brauerei in Waldhausen eröffnet im Juni wieder! Wir sprachen mit Braumeister Jonas Rödig über den Weg von der Idee zur eigenen Brauerei, die Gladbacher Brauerei- Tradition und das Beste an seiner Arbeit: das Verkosten.

Mönchengladbach und Bier – passt das zusammen?

Auf jeden Fall! Hensen war früher eine der größten Brauereien am Niederrhein. Dann gab es die Hannen-Brauerei, wo heute Oettinger ist, und Bolten. Gladbach hat eine lange Brauerei-Tradition. Wir sind aber keine Konkurrenz, denn wir machen unser eigenes kleines Ding und die anderen sind Industriebrauereien mit ganz anderen Dimensionen.

Wie lässt sich Euer Konzept beschreiben?

Wir verbinden das Traditionelle der ursprünglichen Hensen-Brauerei mit modernen Einflüssen. Das Logo wurde neu überarbeitet und die Biere ein bisschen anders interpretiert als früher. Momentan gibt es ja diesen Craftbeer-Boom, allerdings gefällt mir der Name überhaupt nicht, denn in Deutschland wurde schon immer handwerklich Bier gebraut. Daher nennen wir es einfach „Brauhandwerk für Leute, die Interesse an guten Bieren haben“ – und an gutem Essen. Den Service- und Restaurantbereich haben wir an die Besitzer des Restaurants „Rabbithole“ verpachtet, die sich einige Gedanken zur neu interpretierten Brauhausküche gemacht haben. Ich kann verraten, dass man die klassische Haxe vergeblich suchen wird.

Welches Bier kann man bei Euch kosten?

Momentan bieten wir ein Alt, ein Pils und ein IPA (Indian Pale Ale) an und, sobald die Gastro hier offen ist, auch ein Coffee-Stout. Bei Werksverkäufen konnten die Leute das schon probieren und die Nachfrage war sehr groß. Ansonsten sind wir für alles offen, probieren gerne neue Dinge aus und wenn ein Bier gut bei den Kunden ankommt, bringen wir es auch „auf Flasche“.

Woher kam die Idee zur eigenen Brauerei?

Ich habe schon früh mit meinem Vater an Brau-Sets herumgetüftelt und nach dem Abi meine Lehre zum Bierbrauer bei Oettinger gemacht. Danach folgte noch der Bierbrau-Meister. Natürlich träumt man da von der eigenen Brauerei. Deshalb war ich direkt Feuer und Flamme, als der Gedanke aufkam. Norbert Kamps hat das Gebäude der Hensen-Brauerei vor 20 Jahren gekauft und hatte seitdem die Idee, sie wiederzubeleben. Zusammen mit Patrick Schroeder, der auch Bierbrauer ist, haben wir drei uns entschieden, das Projekt anzugehen.

Gab es auch Schwierigkeiten?

Ja, man muss immer wieder Ämter überzeugen, Auflagen erfüllen etc. Eine Hausbrauerei ist im Gegensatz zu den Industriebrauereien für Gladbach nämlich doch recht ungewöhnlich. Wir haben dann aber auch den Brauereiverband eingeschaltet, der uns unterstützt hat.

Apropos Auflagen, wie sieht es mit dem deutschen Reinheitsgebot aus?

Daran halten wir uns natürlich. Im Endeffekt besagt das Reinheitsgebot ja nur, dass man nur Malz, Wasser, Hopfen und Hefe verwenden darf, also keine Ersatzstoffe, keinen Zucker etc. Das ist mir auch sehr wichtig! Trotzdem finde ich, das Reinheitsgebot sollte es etwas gelockert werden, damit man auch mal experimentieren kann – wie zum Beispiel mit dem Coffee-Stout, in dem tatsächlich Kaffee ist. Wir dürfen das Getränk aber nicht als Bier bezeichnen.

Worauf bist Du besonders stolz?

Auf die Biere! Die schmecken mir auch persönlich sehr gut, daher stehe ich voll und ganz dahinter. Verkosten gehört ja schließlich auch zur Qualitätssicherung (lacht). Und auch auf den ganzen Prozess bin ich stolz, darauf, wie sich die Räumlichkeiten verändern zum Beispiel. Wir setzen auf Retro mit coolem Charme. Das ist sehr schön anzusehen und da steckt viel von uns selbst drin – eigentlich alles sogar.

Habt Ihr Pläne für die Zukunft?

Ein bisschen größer könnten wir eventuell noch werden, aber wir halten es lieber klein. Es macht Hensen ja auch aus, dass wir maximal 100 Flaschen die Stunde abfüllen und jede Flasche sechsmal in die Hand nehmen. Diese Handarbeit soll nicht verlorengehen. Unser Wunsch ist es natürlich, dass die Leute unser Angebot auch weiterhin so positiv annehmen, rausgehen, um zu essen und zu trinken und die Hensen-Brauerei wieder zu einem Gladbacher Treffpunkt machen.