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Foto: Anna Helm

Foto: Anna Helm

Juli 2017 | Text: Chiara Porada

Ein Laden muss laufen, egal welcher DJ auflegt

DJ Carlos gehört zu den Top-DJs der Black Music Szene und übernahm 2014 die Geschäftsführung im Goldwasser. Im kommenden Jahr feiert er sein 30-jähriges Jubiläum als DJ. Wir sprachen mit ihm über seinen Job und das Nachtleben in der Altstadt.

Wie bist du DJ geworden?

1988 habe ich mit 15 Jahren einen DJ-Contest im Soul Center auf der Waldhausener Straße gewonnen und dann die Chance bekommen, dort bis jeweils 24 Uhr aufzulegen - da ich noch keine 16 war. Ab 1994 habe ich in Mönchengladbach unter anderem im Pantau am Alten Markt, in der Arena und im Cafe Cuba aufgelegt. In den darauffolgenden Jahren habe ich in den Sommermonaten vier Monate am Stück erst auf Mallorca im Rio Palace, dann auch auf Ibiza und in Thailand gearbeitet. Im Winter war ich jedes Wochenende als Blackmusic-DJ in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Achse.

Und dann kamst Du zurück nach Gladbach?

Da das Goldwasser einen guten Ruf und freitags geschlossen hatte, habe ich dem Geschäftsführer die Party-Reihe „Touch My Soul“ mit DJ Carlos für den Freitag vorgeschlagen. Da hatte ich noch keine Absicht, länger zu bleiben. Schon bei der ersten Party war der Laden voll. „Touch My Soul“ hat sich gut etabliert und als die Geschäftsführer das St.Vieth übernommen haben, haben sie mich gefragt, ob ich die Geschäftsführung des Goldwasser übernehmen wolle. Da wusste ich nicht mal, wie man einen Mojito macht. Ich habe meinen Kumpel Thiemos gefragt, den früherer Besitzer vom Chapeau Claque in Rheydt, und er hat sofort gesagt: Machen wir! Er kümmert sich im Goldwasser um Getränke und Service, ich mich um die Flyer und die DJs.

Was macht das Goldwasser aus?

Viele Clubs haben eine Altersgrenze nach oben, ab 30 lassen sie keinen mehr rein. Das ist hier genau andersherum. „Touch My Soul“ zum Beispiel ist eine R‘n‘B Party für Erwachsene ab 25 Jahren, bei der alte R‘n‘B Klassiker laufen, aber auch Drake. Manche unserer Gäste sind 50 und fühlen sich total wohl. Das schöne Miteinander macht das Goldwasser aus.

Was hat sich sonst mit Dir dort verändert?

Seit Thiemos und ich das Goldwasser im Oktober 2014 übernommen haben, läuft gemischt Chartmusik, 80er, 90er – freitags ab 21 Jahren, samstags ab 25 – mit verschiedenen guten DJs, denn ein Laden muss laufen, egal, wer auflegt. Die Leute kommen, weil gute Musik läuft, der Laden schön ist und es gute Getränke gibt. Auch mich selbst habe ich mehr herausgenommen, DJ Carlos und „Touch My Soul“ gibt es nur noch vor Feiertagen. Wir haben Theke, Tanzfläche, Sound- und Lichtanlage und die Außenterrasse erneuert. Sie ist jetzt schön beleuchtet und kommt mit dem Bambus und den Schirmen sehr gut an.

Was ist gut an der Gladbacher Altstadt, was könnte besser sein?

Was ich gut finde, ist, dass alle Gastronomen und Geschäftsführer in der Altstadt zusammenhalten und sich gegenseitig motivieren, wenn es Tiefs gibt. Wünschen würde ich mir, dass das Gladbacher Publikum ein bisschen mutiger ist und die Augen dafür öffnet, dass hier teilweise mega Djs gebucht werden. In einem anderen Club war zum Beispiel mal Teddy-O gebucht, der DJ der Deutschen Nationalmannschaft, eine absoluter Gigant! Da waren nur wenige Leute im Club, das passiert leider häufig.

Ist es als DJ heute anders als zu deiner Anfangszeit?

Ich bin in einer Zeit großgeworden, in der man sich durch Leistung einen Namen machen musste. Man musste die Platten selbst kaufen, die es auch nur begrenzt gab – ein teures Hobby! Heute mit Facebook und MP3s ist jeder irgendwie DJ. Außerdem haben die DJs den Leuten früher neue Musik gezeigt. Heute sagt das Publikum dem DJ, was er aufzulegen hat und viele Menschen wollen hören, was in den Charts läuft. Auch das Ausgehleben hat sich verändert. Früher ging man aus, um Leute kennenzulernen. Heute geht das durch das Internet auch von zuhause aus, daher ist die Altstadt oft leer.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Ab und zu vermisse ich das Auflegen. Allerdings bin ich seit fast 30 Jahren im Nachtleben aktiv und müsste mal meine Akkus aufladen. Mit der Verantwortung als Geschäftsführer ist das aber schwer. In meinen ganzen Jahren als DJ habe ich nicht einmal krankheitsbedingt gefehlt, selbst mit 39 Grad Fieber habe ich auf Mallorca aufgelegt. Und so bin ich auch hier, genau wie Thiemos: Wenn ich etwas mache, gebe ich 100 Prozent.