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Die neuen Betreiberinnen des van Dooren, Kathrin Beltermann und Sandra Züwerink. Fotos: © Myriam Topel

Die neuen Betreiberinnen des van Dooren, Kathrin Beltermann und Sandra Züwerink. Fotos: © Myriam Topel

Januar 2020

Freundliche Übernahme

Das Van Dooren am Schillerplatz unter neuer Leitung

Redaktion: Marc Thiele

Seit Anfang Dezember das gut gehütete Geheimnis um die neuen Betreiberinnen des van Dooren am Schillerplatz gelüftet wurde, ist auf Facebook die Freude und fast schon Euphorie deutlich an den Likes und in den Kommentaren zu erkennen. Der 01. Februar 2020 als geplanter Tag der Neueröffnung scheint für viele Gladbacher fast so etwas wie der erste Sehnsuchtstag des neuen Jahres zu sein, ohne wirklich zu wissen, was passiert oder wie das Konzept ausschaut.

Der HINDENBURGER hatte Mitte Dezember die Gelegenheit, ein erstes Gespräch mit den beiden Neugastronominnen Sandra Züwerink und Kathrin Beltermann zu führen und ein wenig Licht ins Dunkle der Geheimnisse um das neue van Dooren zu bringen. Wer sind die neuen Betreiberinnen und was haben sie mit dem van Dooren vor?

HINDENBURGER: Sandra, Kathrin, es freut mich, dass Ihr die Zeit für dieses Gespräch gefunden habt. Wenn ich mir Facebook so anschaue und auch die ganzen Fragen, die uns erreichen, dann sind da draußen viele Menschen neugierig auf Euch und Eure Pläne. Lasst uns versuchen, etwas Licht ins Dunkle zu bringen. Natürlich steht erst einmal die Frage im Raum, wie es überhaupt zu der Übernahme des van Dooren oder vielmehr der Idee dazu kam.

Kathrin: Eigentlich einfach aus Liebe zum van Dooren. Bei mir schon seit Anfang an, bei Sandra hat es etwas länger gedauert, da sie lange nicht in Mönchengladbach lebte. Ich wohne zwar jetzt nicht mehr in Eicken, sondern an der Hochschule, habe aber früher in der Nähe des van Dooren gewohnt und mich damals in die Location schockverliebt. In das Gebäude, in den Platz, in das van Dooren selber, in die Atmosphäre. Ich habe dort meinen 40. Geburtstag mit allen meinen Freunden gefeiert, die das Lokal dadurch auch in guter und positiver Erinnerung haben und war quasi Stammgast. Es war auf dem Greta-Markt 2018, wo uns der Gedanke das erste Mal durch den Kopf ging, dass wenn der Vorbetreiber das van Dooren irgendwann mal aufgibt, wir es haben wollen. Und nachdem sich diese Idee auf dem diesjährigen Greta-Markt noch einmal gefestigt hatte, kam dann kam Ende August auch überraschend die Gelegenheit dazu.

Sandra: Ich bin seit etwa zweieinhalb Jahren wieder zurück in meiner Heimatstadt, lebe seitdem auch hier im Kiez und liebe das Gründerzeitviertel und Eicken. Nachdem Kathrin und ich die Idee geboren hatten, wenn es mal soweit sei, dann übernehmen wir den Laden, habe ich irgendwann nach dem Greta-Markt quasi initiativ dem Verpächter Christo (Krypti, ehem. Zorbas) gesagt, dass, wenn er mal einen neuen Pächter sucht, wir großes Interesse hätten. Knapp zwei Monate später hing dann überraschend tatsächlich das Schild an der Türe, dass das van Dooren zum 22.08.2019 schließt. Und dann ging alles irgendwie ganz schnell seinen Gang und wir haben seitdem nicht eine Sekunde an unserer Entscheidung gezweifelt.

HINDENBURGER: Ihr kommt ja beide nicht aus der Gastronomie, sondern aus der nicht minder stress-igen Modebranche. Wieso wechselt man ohne gastronomische Ausbildung oder größere Vorkenntnis von einem gutbezahlten Job, in dem man etabliert ist, in einen anderen, mit ungeahntem Ausgang?

Kathrin: Es war so ein „Wenn Du es nicht machst, wirst Du es bereuen“- Moment. Anders kann ich das nicht erklären. Und das war für uns ausschlaggebend. Natürlich hatten wir auch mal „kalte Füße“, aber eigentlich waren wir uns seit der ersten Sekunde sicher, dass es die richtige Entscheidung ist.

Sandra: Besser kann man es nicht sagen. Was die gastronomische Erfahrung angeht: wir haben hier beide keine klassische Ausbildung, aber ich habe während meiner Ausbildung und meines Studiums Erfahrung in der Gastronomie gesammelt. Zuerst im Service, aber dann auch schnell in Leitungsjobs, wo ich die Personaleinsatzplanung, Organisation und auch Eventmanagement gemacht habe. Einige meiner Gastrostationen waren z.B. das Hadleys hier in Mönchengladbach oder auch die große Gastronomie der Go-Kart-Bahn in Erkelenz. Wir haben aber beide fast 20 Jahre Erfahrung im Vertrieb und sind daher sowohl Stress gewohnt als natürlich auch sehr kunden- und serviceorientiert.

HINDENBURGER: Jetzt kommt natürlich die Frage der Fragen – wie sieht Euer Konzept aus? Was wird passieren, was habt Ihr geplant? Wie wird die Bar aussehen, wird es Fassbier geben, in welche Richtung wird die Küche gehen?

Kathrin: Die Räume an sich werden wir erstmal nicht großartig verändern. Hier und da werden wir natürlich kleinere Änderungen vornehmen, zum Beispiel bei der Deko. Die Bar muss neu aufgebaut werden und wird sicher ein Hingucker, auch die Garderobe, aber ansonsten ist das Interior Design, wie wir finden, sehr schön und passt perfekt zum Gebäude. Natürlich werden wir die Außengastronomie deutlich ausbauen, jetzt wo sich auf dem Schillerplatz dazu die Gelegenheit bietet.

Sandra: Wir denken darüber nach, Bier vom Fass anzubieten, die Zapfanlage ist ja vorhanden. Das Frühstücksangebot wird deutlich ausgebaut. Da darf man gerne gespannt sein und sich auch auf internationale Trendfoods freuen. Wir beide lieben zum Beispiel Berlin und Lissabon, und da gibt es ja einige Inspirationsmöglichkeiten. Es wird einen täglich wechselnden Mittagstisch geben, ebenso wie Abendgastronomie. Wie die Küchenausrichtung nachher tatsächlich aussieht, können wir noch nicht final sagen, denn unser Koch soll diese entwickeln und hier seine Handschrift hinterlassen. Es soll aber eine kleine, feine Karte mit saisonal orientierter, moderner Küche sein. Es gibt auch viel Kuchen, denn es soll ja auch ein Café-Restaurant bleiben. Die Karte wird, wie schon gesagt, wechseln und sich am Angebot der Saison orientieren. Ansonsten wird es nur das geben, was wir auch selber gerne essen und trinken. Aber keine Angst, was die Eine nicht mag, mag die Andere, also bleibt genug Raum für ein spannendes und abwechslungsreiches Angebot. Es wird natürlich auch vegetarische Angebote geben, denn wir wissen, dass viele unserer Freunde und Gäste entweder Vegetarier sind oder gerne auch mal vegetarisch essen.

HINDENBURGER: Wenn es um Waren und Produkte geht, ist die Regionalität oder besser noch die Lokalität ja mittlerweile fast schon Pflicht in der modernen Gastronomie. Wie sieht es damit aus? Wo bezieht Ihr Eure Produkte?

Sandra: Natürlich steht die Regionalität bei uns im Fokus. Wir versuchen, so viele unserer Waren wie möglich bei Mönchengladbacher Anbietern und Produzenten zu kaufen. Der Bäcker, der Metzger, die Eier kommen schon mal von lokalen Produzenten. Wir haben zum Beispiel ein wunderschönes Besteck in einem Eickener Laden gefunden und werden es natürlich dort kaufen statt im Internet. Wir werden also, wo es geht, lokale und regionale Anbieter mit ins Boot holen.

HINDENBURGER: Ein großes Problem in der Mön-chengladbacher Gastronomie ist das Personal. Alle Gastronomen suchen händeringend gutes, motiviertes und qualifiziertes Personal, finden aber niemanden. Wie wollt Ihr das lösen oder habt Ihr Euer Team schon zusammen?

Sandra: Über unser großes Netzwerk. Wir haben schon viele Leute aus unserem Umfeld, die früher lange Jahre in der Gastro gearbeitet haben, aber teilweise irgendwann keine Lust mehr hatten und jetzt sagen, wenn wir das machen, wollen sie unbedingt mit uns arbeiten. Wir bekommen tatsächlich proaktive Bewerbungen. Wir sind aber natürlich auch selber mit im Service aktiv. Das muss so sein. Die Chefinnen gehören an die Front, in den Kontakt mit den Gästen. Aber generell sieht es hinsichtlich des Personals wirklich gut aus.

HINDENBURGER: Werdet Ihr wie Euer Vorgänger auch hin und wieder Veranstaltungen durchführen?

Kathrin: Ja, klar. Kochevents zum Beispiel oder Lesungen sind angedacht. Wir haben auch schon einige spannende Anfragen und Kontakte. Aber bei Parties müssen wir halt auf den Schallschutz achten und Rücksicht auf die Nachbarn nehmen.

HINDENBURGER: Die Erwartungen an Euch sind ja seit dem Bekanntwerden der Übernahme scheinbar riesig. Wie geht Ihr mit dem Druck um?

Sandra: Druck sind wir ja gewohnt. In unseren alten Vertriebsjobs hatten wir immer großen Druck und haben das über fast 20 Jahre gemeistert. Natürlich wissen wir, was da auf uns zukommt. Wir müssen liefern. Nicht nur bei den Leuten, auch bei den Zahlen.

Kathrin: Uns ist klar, dass die Leute eine große Erwartungshaltung haben, aber wir sind da realistisch. Wir müssen uns als Team erst eingrooven. Am Anfang wird auch nicht alles zu 100 Prozent reibungslos klappen, und es werden Fehler passieren. Letztendlich ist Kommunikation mit unseren Gästen für uns sehr wichtig.

Sandra: Wir sind ja, wie schon gesagt, beide seit knapp 20 Jahren sehr erfolgreich im Vertrieb und haben in der Zeit wahnsinnig gute Kundenbindungen und –beziehungen aufgebaut. Die wichtigsten Gründe, die uns unsere Kunden immer sagten, wegen denen sie immer am liebsten mit uns zusammenarbeiteten, sind unsere Herzlichkeit und unsere Leidenschaft für das, was wir tun. Ich glaube auch, dass das van Dooren so einen eigenen Charme hat, die Leute hier lieben diese Location und freuen sich wie wir auf die Wiedereröffnung, dass die Fehler, die wir machen müssten, um das nicht gerockt zu bekommen, schon gravierend sein müssten.

HINDENBURGER: Das klingt alles sehr spannend und vielversprechend. Vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Euch viel Glück, natürlich einen erfolgreichen Start im Februar und freuen uns sehr auf das, was Ihr da auf die Beine stellt.