Magazin

Trends, Tipps und News aus der Gastro-Szene

  • Foto: © Reginerate Gin

    Foto: © Reginerate Gin

  • links: Attacke Niederrhein Dry Gin; mitte: Superfood Gin; rechts: Fleuth Gin. Fotos: © Hersteller

    links: Attacke Niederrhein Dry Gin; mitte: Superfood Gin; rechts: Fleuth Gin. Fotos: © Hersteller

  • links: Wegesrand Dry Gin; rechts: AAGin Dry Gin. Fotos: © Hersteller

    links: Wegesrand Dry Gin; rechts: AAGin Dry Gin. Fotos: © Hersteller

August 2020

Hochprozentig Regional

Gins vom Linken Niederrhein

Der Gin-Trend läuft ungebrochen durch die Republik und ein Ende ist tatsächlich nicht in Sicht. Auch wenn Bar-Profis mittlerweile ein wenig auf die Bremse treten, am Endkundenmarkt herrscht weiterhin Goldgräberstimmung. Mittlerweile hat die Anzahl der alleine in Deutschland produzierten Gins die 700er-Marke locker übersprungen (manchmal ist auch bereits von über 1.000 die Rede). Wieviele es tatsächlich sind, weiß vermutlich niemand so genau, denn regelmäßig kommen neue dazu. Hatten die meisten Ginproduzenten zu Beginn der Welle nur einen Gin im Sortiment, sind es bei vielen mittlerweile mehrere. Sloe Gins (die eigentlich wegen des zu geringen Alkoholanteils zu den Likören zählen) machten den Anfang, danach folgten Master Cuts und nun sind es entweder Fasslagerungen oder diverse neue Geschmacksrichtungen und Farben.... Hauptsache Gin...

Natürlich gibt es auch in unserer Region einige Gins, von denen die Meisten überregional aber (noch) nicht wirklich bekannt sind. Sogar in Mönchengladbach und den umliegenden Städten schaut man oft in fragende Gesichter interessierter Ginfreunde, wenn man die Namen der hiesigen Wacholderdestillate erwähnt.... dabei können diese sich durchaus sehen lassen.

So zum Beispiel die aus Krefeld stammenden REGINERATE Gins von Martin Kern.

Er war einer der ersten aus der Region, der den aufkommenden Gin-Trend erkannt und ein entsprechendes, qualitativ hochwertiges Produkt an den Markt gebracht hat und überregional bekannt und beliebt ist. Der REGINERATE Artisan Gin ist ein fruchtiger, gut abgerundeter New Western Dry Gin mit 13 Botanicals, von denen Ananas, Johannisbeere und Hibiscusblüte Aromaprägend sind. Ein qualitativ hochwertiges Produkt, was auch bereits international ausgezeichnet wurde.

Als erste Sortimentserweiterung brachte Martin Kern kurze Zeit später bereits seinen zweiten, deutlich klassischeren und wacholderbetonten Gin auf den Markt, den Reginerate Silk City Dry Gin. Mit „nur“ 5 Botanicals: Zitronen-Verbaine, Ingwer, Szechuan-Pfeffer und zwei verschiedenen Wacholderarten, trifft er wohl den Geschmack jedes Gin-Puristen und beweist erneut, dass er weiß, was er macht.

Auch bei seinem dritten Produkt traf er den Geschmack vieler Gin-Fans und entwickelte zudem mit dem REGINERATE Sloe Gin den ersten echten und vollwertigen Schlehen Gin überhaupt. Denn im Gegensatz zu den vielen anderen „Sloe Gins“, die eigentlich Liköre sind, erreichte dieser die für einen Gin notwendigen 37,5% Vol. Alkohol. Auch heute noch zählt der REGINERATE Sloe Gin zu der kleinen Gruppe echter Schlehen Gins am Markt.

Mit dem REGINERATE Velvet Town - Clean City Gin kam 2020 ein fruchtig und leicht schmeckender Gin auf den Markt, der zudem mit einer starken, Wacholdernote aufwartet.

Bevor wir uns auf den Genussweg in Richtung Mönchengladbach machen, steht ein Abstecher nach Kempen an, genauer gesagt in die Mühle4 - Manufaktur edler Brände von Peter Day. Weit über die Grenzen der Region bekannt für hochwertige und außergewöhnliche Edelobstbrände, -geiste und Liköre, gibt es im Sortiment auch einen einzigen (eigenen) Gin, den Attacke Niederrhein Dry Gin, der bereits 2018 beim Crafts Spirits Festival mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet wurde. 18 verschiedene Botanicals, darunter Pomeranze, Orangenblüte, Zitrone und Kardamom machen den Attacke Niederrhein Dry Gin zu einem würzigen Geschmackserlebnis mit 43% Vol. Alkohol. Aber man muss schnell sein, denn pro Jahr werden nur 250 Flaschen des Manufakturgins abgefüllt. Daß Peter Day sein Handwerk versteht, zeigen auch die vielen anderen Gins, die er als Auftragsarbeit produziert - darunter der Bootsmann Dry Gin sowie der Comix Dry Gin.

Etwas weiter südlich von Krefeld, nämlich in Willich, liegt die Heimat eines weiteren, in der Mühle4 produzierten Gins, nämlich des 2019 lancierten Fleuth Gin. 20 teilweise regionale Botanicals werden mazeriert, anschliessend mehrfach destilliert und abschließend (nicht kühl) schonend filtriert. Das Ergebnis ist ein gut ausbalancierter Gin mit 43% Vol. , der in seiner Aromatik an sommerliche Obstwiesen und Wälder erinnert und eine deutliche Wacholdernote aufweist.

Zum einjährigen Geburtstag wurde ein neu entwickelter Barrel Cut vorgestellt, bei dem der Fleuth Gin ein besonderes Finish in einem ehemaligen Bourbon Oloroso Sherry Refill Fass bekommen hat und dort dessen Aromen und Farbe angenommen hat. Ein goldener Fleuth Gin Barrel Cut zum Geburtstag. Natürlich mit 250 Flaschen pro Batch streng limitiert.

In Mönchengladbach angekommen, bieten sich direkt drei Gins an, denn irgendwie werden alle mit der Vitusstadt in Verbindung gebracht, auch wenn das eigentlich nur bei 1,5 Gins tatsächlich der Fall ist. Der älteste dieser 1,5 Gins hat seine Wurzeln zwar zur Hälfte in Jüchen aber die andere Hälfte eben in Mönchengladbach und daher sortieren wir den Wegesrand Dry Gin auf unserer Reise eben hier ein. Wieviele Botanicals tatsächlich in diesem Destillat enthalten sind, wissen wir nicht, es sind mindestens 18, denn so viele sind auf der Webseite zu finden. Die meisten davon sind „Unkräuter“, die am „Wegesrand“ zu finden sind, wie dort steht, z.B. Wildsalbei, Schafgarbe, Sauerampfer, Minze oder Mädesüss. Das Ergebnis ist ein Gin, der ein Geschmacksprofil besitzt, das sehr einzigartig und ungewöhnlich ist. Aber lecker, wenn für uns auch eher pur ein Genuss, denn ein wirklich passendes Tonic haben wir zum Wegesrand Dry Gin noch nicht gefunden. Am ehesten kommt wohl ein klassiches Dry Tonic in Frage, denn Süße bringt dieser Gin schon von Haus aus mit.

Ein ganz anderes Geschmacksprofil bietet der zweite Mönchengladbacher Gin, der zwar noch relativ neu am Markt ist, aber zumindest regional einen größeren Bekanntheits- und Verbreitungsgrad aufweisen kann, als der Wegesrand Dry Gin - wahrscheinlich durch das professionelle Marketing, denn einer der drei Produzenten ist Inhaber einer Marketingagentur. Ob es sich beim Superfood Gin nun um einen „Agenturgin“ oder um echte Passion handelt, muss jeder selber für sich bestimmen, er schmeckt und das ist die Hauptsache. Sein Geschmacksprofil, das man auch beim Riechen eindeutig erkennen kann, erhält der Superfood Gin durch das Zusammenspiel von Gojibeeren, Aronia, Orangenschalen, Mango, Hibiskusblüten, Acaiibeeren, Papaypa, Lemongras, Zitronen- und CuraÇaoschalen, Moringa- und Gingkoblättern, Brennessel, Eibischblüten, Baldrianwurzeln und natürlich Wacholderbeeren. Das Ergebnis ist ein Gin mit einer fruchtig-frischen Note und dezenten Kräuteraromen, der für uns am besten im Zusammenspiel mit Tonic funktioniert.

Zum Abschluss sollte noch ein Gin erwähnt werden, der zwar nicht in Mönchengladbach oder der Region produziert wird aber bei dem ein Mönchengladbacher - nämlich Bernd Niessen von gNiessen Wein & Genuss - die Finger mit im Spiel hat. Es handelt sich um den in Berlin produzierten AAGin (benannt nach der Aroser Allee). Bei diesem mehrfach destillierten Gin mit 43% Vol. Alkohol und 11 Botanicals steht zwar der Wacholder klar im Vordergrund, dieser wird aber durch feine Zitrus- und Beerennoten ergänzt, so dass sich ein angenehmes Geschmacksprofil entwickelt. Das Ergebnis ist ein sehr angenehmer und sanfter Gin, der sowohl pur als auch mit Tonic sehr gut zu trinken ist.

Damit wäre unsere hochprozentige Gin-Reise durch die Region an ihrem Ziel angekommen. Vielleicht haben wir Sie jetzt ja ein wenig auf unsere regionalen Wacholderdestillate neugierig gemacht und Sie überlegen sich einen der hier vorgestellten Gins bei Ihrem nächsten Einkauf ins (vielleicht auch digitale) Körbchen zu legen. Lohnen würde es sich allemal. Sollten wir auf unserer Reise einen regionalen Gin vergessen haben, freuen wir uns immer über entsprechende Hinweise an redaktion@hindenburger.de.

Cheers,
Ihr Marc Thiele